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Unser Materialrucksack wiegt rund 360 Tonnen

Prof.in Lamia Messari-Becker gab Einblicke in das Bauen und Wohnen der Zukunft

Abschluss der Kinderuni-Herbststaffel. Für den positiven Rück- wie auch Ausblick wird das Pferd von hinten aufgezäumt, nämlich mit der Frage eines Kinderuni-Kindes an Prof.in Dr. Lamia Messari-Becker am Ende der Veranstaltung: „Wir leben wir denn in der Zukunft?“ Die Expertin für Gebäudetechnologie und Bauphysik der Uni Siegen nahm mit ihrer Antwort Sorgen: „Wir werden nicht schlechter leben als heute, aber anders. Um Problemlösungen zu finden, sind auch wir Bauingenieure da. Auch der Kampf gegen den Klimawandel ist lange nicht verloren.“

Der Vortrag von Lamia Messari-Becker setzte den Schlusspunkt unter das Thema „Zukunft – was bewegt uns morgen?“. Im Fokus standen in der vierten Veranstaltung das Bauen und Wohnen der Zukunft und die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, zu den auch das Wohnen, eine gesunde Umgebung, Klimaschutz, Infrastruktur und der Lebensraum in Stadt und auf dem Land gehören. „Bauen und Wohnen bestimmen unser ganzes Leben“, so die Ingenieurin eingangs. Für alle Menschen ist dieser Bereich sehr wichtig. „Jeder Mensch braucht bezahlbares Wohnen.“ Und dennoch ist das Bauen – ob nun in Gestalt von Häusern, Straßen, Fabriken, Kindergärten – mit Umweltbelastungen verbunden.

Die Wissenschaft arbeitet daran, Probleme wie Flächenversiegelung, Abfall durch Bauen, Energieverbrauch für die Produktion und den Transport von Material, Heizen und verkehrliche Infrastruktur zu lösen. Bislang, so Messari-Becker, werde gebrauchtes Baumaterial nur selten recycelt, sondern lande auf der Deponie. Das liege daran, dass schichtenweise gebaut und oft verklebt werde. Bei Umbau oder Abriss sei eine Materialtrennung wie beispielsweise in Form der Bestandteile eines Autos bisher nicht möglich. Nicht zuletzt aus diesem Grund trägt jeder Mensch rein rechnerisch einen Materialrucksack aus allen öffentlichen Infrastrukturen (Straßen, Brücken, Energie- und Wasserleitungen etc.) mit sich, der über 175 Tonnen wiegt. Nimmt man den Anteil aus privaten Infrastrukturen (wie Wohngebäude), kommen 187 Tonnen dazu –, der Rucksack ist also insgesamt unvorstellbare 360 Tonnen schwer. Messari-Becker: „Wir müssen Materialien effizienter und sparsamer nutzen und im Kreislauf halten - nach dem Motto “weniger ist mehr und immer wieder nutzen und recyclen“.

Auch der Flächenverbrauch durchs Bauen ist groß, obwohl Fläche endlich und ein sparsamer Umgang damit angeraten ist. Hinsichtlich der Energieversorgung bieten sich erneuerbare Energien an. Der Wärmebedarf eines Hauses errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Wärmeverlust eines Gebäudes (Wände, Fenster, Kältebrücken etc.) und dessen Wärmegewinnung beispielsweise durch Sonneneinstrahlung und den Gebrauch elektrischer Geräte. Die Bauingenieurin: „Es gibt Gebäude, die brauchen so gut wie keine Heizung.“

Die Professorin verdeutlichte anschaulich, wie wichtig Frei- und Grünflächen vor allem für Städte als deren „grüne Lungen“ sind. „Immer mehr Menschen wollen weltweit in Städten leben.“ Deshalb konzentriere sich auch das Gros des Ressourcenverbrauchs auf die Städte. Man könne selbst in Städten etwas gegen Treibhauseffekte tun: Fassaden- und Dachbegrünungen, flexibles Bauen, das eine Teilung großer Wohnungen bei Bedarf in kleine Einheiten ermögliche, Trägerkonstruktionen von Gebäuden könnten ausschließlich im Bereich der Außenwände platziert werden, um Umnutzungen von Etagen zu erleichtern. Auch Modulbauten, die recht einfach abbaubar seien, böten Chancen - ebenso besondere architektonische Ideen wie die unterirdische Erweiterung des Städel-Museums in Frankfurt. Und: Gebäude sollten in ihrer Nutzung besser ausgelastet sein. Schulen könnten am Abend und am Wochenende sowie in den Ferien anderweitig genutzt werden, zum Beispiel durch Vereine und zur Freizeitgestaltung. Messari-Becker: „Ein Drittel der Treibhauseffekte kommt vom Bauen.“ Von daher gelte es neue Wege zu beschreiten.