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„Heul doch nicht, Du lebst ja noch!“

Der Jugendbuchautorin Kirsten Boie war zu Gast bei YoungPoetry@Rubens.

Kirsten Boie wurde im Jahr 1950 in Hamburg geboren, fünf Jahre nach Kriegsende. Die Stadt an der Elbe war immer noch stark zerstört. Trümmer, Invaliden, Hunger, Einquartierung: Die bekannte Jugendbuchautorin hat den Weltkrieg nicht erlebt, ist aber mit den sichtbaren Folgen aufgewachsen. Der Lauf der Zeit bringt es mit sich, dass die Generation der Menschen, die Deutschland noch in Schutt und Asche erinnern, schwindet. Die medialen Angebote zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Kriegsendes 2020 weckten bei der Hamburgerin Kindheitserinnerungen. Die Idee wurde geboren, ein Jugendbuch in dieser Zeit spielen zu lassen, indem die Folgen des Krieges erkennbar waren.

Im Mittelunkt stehen drei Jugendliche, die die Zeit des Nationalsozialismus unterschiedlich erlebt haben und sich jetzt mit den Folgen auseinandersetzen müssen. Jakob, dessen Mutter noch im Februar 1944 nach Theresienstadt deportiert wurde, überlebt im Versteck. Hermann trauert der „alten“ Zeit nach und Traute erlebt, wie geflüchtete Familien in ihrer Wohnung einquartiert werden. Ihre Welt ist auf unterschiedliche Weise zerbrochen. Hermanns Vater etwa kehrt beinamputiert aus dem Krieg zurück und ist für ganz alltägliche Dinge stets auf die Hilfe des Sohnes angewiesen. Dieser sieht aufgrund dieser Fürsorgeverpflichtung keine Zukunftsperspektive.

Jakob ist jüdischer Herkunft. Versteckt und versorgt wird er von einem Nazischergen, der sich dadurch Entnazifizierung erhofft. Jakob erfährt vorsätzlich nicht vom Kriegsende und glaubt weiter im Untergrund leben zu müssen. Als der Versorger nicht mehr auftaucht, muss er sich durch Diebstähle und Überfälle selbst versorgen, immer in der Angst erwischt und deportiert zu werden.

Traute ist das einzige Mädel der Straße und sie wohnt in einem der ganz wenigen unzerstörten Häuser. Im Haus sind Flüchtlinge einquartiert, die auf der Flucht ein Kind verloren haben.

Kirsten Boie verstrickt ganz bewusst unterschiedliche Schicksale. Nicht nur der Blick auf die geschundenen Kriegsbeginner und -verlierer war ihr wichtig, sondern auch der Blick auf millionenfach vernichtetes jüdisches Leben. Boie: „Mich interessierten die Schwierigkeiten der Menschen bei der Neuorientierung und die Frage, was genau denn so schwierig war.“ Mit ihrer bildhaften Sprache entführt die Autorin Leser und Zuhörer in die Lebens- und Gedankenwelt ihrer Protagonisten. Schuld spielt eine große Rolle, aber auch Freundschaft. Der Titel entstammt einem Zitat Hermanns, der sich mit Jakob anfreundet und so von der Judenvernichtung erfährt. Mit dieser Schuld kommt er nicht wirklich zurecht.

Der Roman „Heul doch nicht, Du lebst ja noch!“ ist in diesem Jahr im Oetinger Verlag erschienen. Kirsten Boie war im Rahmen des Uni-Jubiläums gleich zweifach in Siegen aktiv: Sie diskutierte mit Studierenden über ihr neues Buch und sie las vor Schülerinnen und Schülern aus ihrem neuen Werk im Rahmen des von der heimischen Lange-Stiftung unterstützten Formats YoungPoetry@Rubens. Kirsten Boie las nicht nur aus ihrem Buch, sondern erzählte auch aus ihrem Leben. Die Autorin hat selbst zwei Kinder adoptiert und engagiert sich in Afrika für Waisenkinder.